So ein Zirkus

Ja, ein richtiger Zirkus … heute mal schnell mit dem Auto 900 km über Heilbronn nach Aschaffenburg und zurück. Überwiegend Regen, Baustellen, 35 km Stau, 550 km in Fahrzeugkolonnen dahinfahren, kein Vergnügen! Und in den Baustellen Fahren in der absoluten Todeszone. 2 Meter Breite am linken Fahrstreifen, wenn der LKW rechts auch nur 30 cm rüber zieht, dann katapultiert es einen in den Gegenverkehr. Und das Erschreckende ist, dass man innerhalb kürzester Zeit den Wahnsinn mitmacht und mit ihnen mitfährt, die Gefahren ausblendend. Es herrscht Kampf auf den Straßen und der Schwächere wird weggedrängt. Nein, das brauche ich nicht jeden Tag und habe es zum Glück auch nicht.

Am Abend deshalb trotz Regen noch eine zweistündige Runde durch die Nacht und zu einem Zirkus, der nur Angenehmes bietet. Spaß, Spannung und Unterhaltung. Die Artisten probten schon, das Orchester spielte laut im schon aufgebauten Zelt, am Samstag wird Première sein.

Ich machte ein paar Fotos dort am großen Dultplatz, auch am Eingangsbereich mit den Kassen. Plötzlich stand da ein älrerer Mann und fragte mich in hartem Deutsch, ob er für mich das Licht anschalten soll, damit ich besser fotografieren kann. Unglaublich! Und dann hat er den Eingangsbereich beleuchtet und die Lichter angeschalten, exklusiv für einen Radfahrer, den er gar nicht kannte.

Ich möchte nicht wissen, wie ihn ein Unbeteiligter beschrieben hätte, den älteren Mann, der da aus dem Wohnwagen kam, mit zerzausten Haaren und einer alten Jacke, die schon viele Winter gesehen hat. Und dabei war er ein aufgeschlossener und freundlicher Zeitgenosse, der gesehen hat, was ein Anderer braucht und dann ohne zu Zögern zur Tat geschritten ist.

Wenn das nicht der Weihnachtsgedanke ist …

Ab nach Mexiko!

1 °C, dichter Nebel, sogar Schnee! Irgendwie war ich frustriert heute früh … doch dann beim Vorbeifahren an den Graffities hinter dem Dultplatz plötzlich die Idee! Mexiko! Ja, da muss ich hin. Sonne, Hitze, blauer Himmel, staubige Straßen.

Schnell wurde ich fündig. Im Osthafen standen große Holzcontainer mit Bestimmungsland Mexiko. Bingo! Da passt selbst so ein fettes Rad locker rein, den Prokuristen kenne ich, das geht klar. Der Hafenkran stand bereit. Doch weit und breit kein Schiff, das die Fracht hätte mitnehmen können. Nur unter der Odessabrücke ein Güterschiff, das aber schon beldaden war und außerdem laut Marine Traffic keinen Seehafen als Bestimmungshafen hatte.

Und auch das Schiff für meine Mitfahrt, die „Savor“ (deutsch: genießen) legte unter der Oberpfalzbrücke im Schleusenkanal ab, bevor ich zusteigen konnte. Außerdem hatte sie arge Höhenprobleme unter den beiden folgenden Brücken, was mich dann wieder beruhigte, doch nicht eingestiegen zu sein.

Aus war er, der Traum von Mexiko, der so gut begonnen hatte.

Na ja, letztlich blieb der nette Anblick des mexikanischen Lokals in der Innenstadt mit dem Namen „El Sombrero“, der mir auch Wärme und Behaglichkeit vermittelte und die widrigen äußeren Umstände vergessen ließ, die ich heute für insgesamt dreieinhalb Stunden da draußen auf dem Rad ertragen musste …