Viktor und ein Hauch von Sibirien 

-10 °C heute früh! Und das im November, schon die zweite Frostperiode in diesem Monat. 

Regensburg liegt nicht in Sibirien, falls das die Wetterburschen nicht wissen sollten. 

Okay, man kann auch bei diesem Wetter drei Stunden Rad fahren, es gibt aber definitiv angenehmere Dinge im Leben. Noch dazu bei Ostwind, der das Ganze zum echten Schmankerl machte … 

Am Abend hab ich einen der Waldler getroffen, die jeden Tag, also jeden Tag, jeden, an die 70 km mit dem Rad fahren. Was jammer ich eigentlich hier rum? 

Viktor in zapfiger Kälte 

Wie auf den Bildern unter dem Brückenbogen der Steinernen Brücke zu sehen, kommt der Begriff „zapfig“, der hier in Bayern für eisige Kälte verwendet wird, von den Eiszapfen. 

Mit -9 °C in der Früh war es schon sehr kalt für Ende November, das sind eher Temperaturen für den Februar. 

Aber die Sonne und herrliches Licht haben den Frost am Nachmittag fast vergessen lassen. Als die Sonne unterging und ich noch eine Stunde Rückfahrt von der Arbeit nach Hause hatte, sah es wieder etwas anders aus. 

Es war dann wie richtig zapfig … 

Viktor verfroren

Das war richtig kalt heute, zwar nur etwas unter Null, aber der Wind kam wohl direkt aus Sibirien … 

Es war wieder mal so ein Tag, an dem ich kalte Finger und Füße hatte. Das kommt nicht oft vor und ist gar nicht so von der absoluten Temperatur abhängig, eher vom Wind und dem Gefühl der klaren Luft und eisig empfundenen Kälte. 

Wenigstens beim Fotografieren wurden die Füße wieder etwas warm und der Blick in den Himmel mit den warmen Farben half auch etwas. 

Auf der Heimfahrt am Abend durch die sich leerende Stadt war es dann wieder bitterkalt und zugig in den Gassen. 

Nach einer halben Stunde im warmen Wohnzimmer waren dann Hände und Füße auch endlich zu Hause … 

Das Flache brauchte Positionsleuchten 

Also mehr November geht wirklich nicht mehr! 

Ganze 5 °C, Hochnebel vom Feinsten, der immer tiefer herunter sank und am frühen Nachmittag in feinen Sprühregen überging. 

Da war ich zum Glück schon wieder auf dem Heimweg aus dem Donau- und Labertal. Es war um drei so finster, dass ich mit Licht gefahren bin. Man kann ja nicht wissen, wer da so mit dem Auto unterwegs ist und wie gut die Leute sehen … 

Gedenkfahrt für Joachim Janssen 

„Vor drei Jahren bist du plötzlich und unerwartet und viel zu früh von uns gegangen, niemand konnte es begreifen und fassen, alle, die dich gekannt haben, waren zutiefst betroffen und traurig.

Heute möchte ich an dich erinnern … und wie ginge das besser als mit einer langen Radfahrt, wie du sie gerne auch unternommen hast. Es ist Ende November und eigentlich nicht die Zeit für solche Unternehmungen, doch ich weiß, dass du ohne zu zögern mitgefahren wärst.

Eigentlich wollte ich mit dem Z-Pro das Donautal runterfluxZen und in Niederaltteich an der Klosterkirche umkehren. Das wäre die Distanz gewesen. Doch mir fiel ein, dass du deine letzte Fahrt mit einem Klapprad unternommen hast und da entschloss ich mich spontan in der Garage, den Viktor mitzunehmen. Viktor Schindelhauer, ein Singlespeed/Fixie. Hätte dir sicher auch gefallen.

Ich fuhr eine Tour ins Regental bis Marienthal, zurück nach Regensburg, die Donau runter bis Straubing, wieder zurück nach Regensburg und dann noch raus nach Kelheim, wo wir uns das letzte Mal getroffen haben, als die wilden Jungs aus dem Liegeradforum das 24-Stunden-Rennen gefahren sind.

Nach nebligen 4 °C am Morgen um acht Uhr kam am Rückweg im Regental gegen zehn Uhr die Sonne raus und es wurde eine bei bis zu 8 °C warme, sonnige Fahrt bis zum Sonnenuntergang. Der Wind war teils unangenehm kalt, vor allem am Nachmittag, als er aus dem Bayerwald heraus ins Donautal blies. Eine gute Stunde nach Einbruch der Dunkelheit war ich dann wieder zuhause und auch froh darüber, dass es vorbei war.

Ich hatte viel Zeit nachzudenken und kann dir versichern, dass ich viel an dich gedacht habe und mit fortschreitender Distanzimmer mehr bewundert habe, was du so auf dem Fahrrad geleistet hast.

An einer kleinen Kapelle, die schön von der Sonne beschienen wurde, habe ich nach gutem bayerischen Brauch kurz an- und innegehalten … ein Bild davon im Album. 

Nachdem du ja unser Teamkapitän in der Winterpokalmannschaft „Unterm Radar“ gewesen bist, widme ich dir die heute eingefahrenen 33 Punkte für dein virtuelles Winterpokalkonto!

Und da ich die Fahrt nirgends eintragen kann, schreibe ich die Daten einfach mal hierher, falls es interessiert … 224 km, 8:18 Stunden Fahrzeit, 9:15 Stunden Gesamtzeit, die ein paar Pausen für Essen, Trinken, Fotos u. a. beinhaltet.

Ich hoffe, dass ich dir im nächsten Jahr wieder mit einer nicht alltäglichen Fahrt eine Freude bereiten kann …“

R.I.P.

wp-1480109912898.jpg

Viktor und sein Spiegelbild 

Arbeitsweg nach Hause an der Donau entlang. Durch das Hochwasser der letzten Tage stand vielerorts noch etwas in den Wiesen hinter dem Damm und die dagegen stehende Sonne gab ein paar schöne Eindrücke zum Festhalten mit der Kamera. 

Viktor im Gegenlicht und im Spiegel des glatten Wassers. Er macht sich schon gut … finde ich. 

Viktor im Donauvorland

Der lange Weg von der Arbeit nach Hause über Sarching, Donaustauf und Tegernheim. Vorbei an der Walhalla und durchs Donauvorland. 

Ein Naturdenkmal bei Tegernheim erinnert wohl an eine alte Donauschleife, die längst vergessen ist oder an ein Altwasser, das mal Verbindung zum Fluß hatte. 

Eine schöne Fahrt bei angenehmen 12 °C, wenn auch nur ab und zu Sonne zu sehen war.