Endstation Haydnstraße

neujahr-schnee-869

„Kinder, nehmt nicht das Rad heute, es könnte unvermittelt glatt sein!“ Sie hörten und nahmen den Bus zur Schule. Meine Frau nahm das Rad, war bei uns hier oben auch kein Problem, da war alles noch winterlich, man war darauf eingestellt.

Ich wollte das Trike nehmen, doch dann fing es zu schneien an und da kann an so einem Arbeitstag schon einiges zusammen kommen. Da ich am Abend wieder heimfahren wollte, entschied ich mich für das Fatbike. Damit hatte ich ja die letzten beiden Wochen ganz andere Verhältnisse überstanden.

War auch kein Problem. Bis zur Haydnstraße. Da fiel mir zuerst ein PKW auf, der rechts am Straßenrand mit der Front in einem Schneehaufen steckte und die Warnblinkanlage angeschaltet hatte. Der hat wohl die Einfahrt in die Garage verpasst, dachte ich noch. Ging ja gut bergab.

Dann lief der Film ab … mein Rad war plötzlich links neben mir und rutschte am Boden dahin. Es hatte sich ansatzlos von mir getrennt, die Pedale hatte ich vorsichtshalber schon nicht eingeklickt, für solche Fälle. Ich sah mich in der Luft sitzen, die Beine nach vorne, den Rücken kerzengerade, Dann saß ich genauso auf der Straße. Das Steißbein traf den Boden zuerst.

Nur noch Schmerz, ich dachte an einen Totalschaden im Lendenwirbelbereich, Hitze im ganzen mittleren Bauchbereich, ich hörte eine Stimme von rechts: „Schnell weg da!“ Ein Mann half mir auf und zog mein Rad mit von der Straße, jetzt rutschte der PKW aus dem Schneehaufen vorbei, dahinter ein zweiter, beide drehten sich langsam und blieben ca. 20 Meter weiter unten wieder rechts im Schnee stecken. Ein Wunder, bei den vielen geparkten Autos.

„Der Briefträger hat mich gewarnt, dass es da spiegelglatt ist unter dem Schnee. Deshalb habe ich am Gehweg geschoben. Haben Sie sich weh getan? Na ja, Ihr Rad schaut ja robust aus und Ihre Brille ist auch nicht zerbrochen.“ Ich saß am Geweg und sortierte mich. Beine, Arme, Hals, Zehen, Finger, alles geht. Aufstehen wollte ich nicht, der Aufprall war zu heftig, nur sitzenbleiben.

Nach gefühlten zehn Minuten rappelte ich mich auf, der Schmerz blieb, ich schob den Berg runter, mit dem Blick direkt in den vor mir liegenden Friedhof, ich musste das erste Mal lachen. Da dachte ich, dass mein Bauchraum vollends explodiert. Bis zur Nachbardienststelle waren es noch gute zehn Minuten, teils schiebend, teils fahrend rettete ich mich dort hin.

Die Kollegen: „Wem bist du denn begegnet, so wenig Farbe hattest du ja noch nie im Gesicht!?“ Danke Leute, am Spiegel habe ich es selber gesehen. Ich schlich über die Landshuter Straße direkt in die Notaufnahme des Krankenhaus St. Josef, wo ich nach zwei Stunden endlich an der Reihe war. Volles Programm, Erleichterung, nur eine Prellung.

Vor mir zwei Radfahrer mit Brüchen (Unterschenkel, Fersenbein), die von der Haydnstraße liegend antransportiert wurden. Die hatten nicht so viel Glück, aber das Eis noch gesehen, da es noch nicht schneite.

Bleibt für mich die Erkenntnis, dass das intensive maxxF-Training und die jahrelange Rückenschule im Dienst doch irgend etwas bringen. Die Schmerzen sind zwar immer noch heftig, wie nach einem Jahrhundertmuskelkater der unteren Bauch- und Rückenmuskulatur, aber die Ärztin meinte: „Wissen Sie, die Muskulatur ist schneller als Ihre bewusste Reaktion, sie spannt sich maximal an, damit die Wirbelsäule so gut wie möglich geschützt wird. Und in diesem Zustand bleibt sie durch den Aufprall erst mal ein paar Tage. Erholen Sie sich gut!“

Und ich habe gelernt, es gibt Stürze, die kommen aus dem Nichts, da hilft kein Abrollen, kein Abklatschen, kein kontrolliertes seitliches Fallen.

Das alles war eine Erfahrung, die ich im Laufe meines Radlebens noch nie hatte machen müssen. Mein dritter Sturz überhaupt, der schmerzhafteste und aus dem Nichts kommend. Und dabei saß ich einfach nur auf der Straße.

Ich hoffe, dass ich in Zukunft etwas sanfter gebremst werde, wenn es mal wieder direkt auf den Friedhof zugeht …

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